Schulleben

Gedenkveranstaltung an die Opfer des Holocaust

Bericht zur ersten Schulveranstaltung der weiterführenden Schulen aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg zur gemeinsame Gedenkveranstaltung an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2020

Engagierte junge Menschen

Am Vormittag des 27.01.2020 fanden sich im „Treff“ des ETA-Hoffmann-Theaters in Bamberg Schuldelegationen von weiterführenden Schulen aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg zur ersten gemeinsamen Gedenkveranstaltung an die Opfer des Holocaust für Schulen ein.

Elf Schuldelegationen von Mittel-, Realschulen und Gymnasien waren der Einladung der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V. gefolgt. An dieser besonderen Gedenkveranstaltung nahmen auch der Vorsitzende der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg, Daniel Manthey, der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke, der zweite Bürgermeister Dr. Christian Lange, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg e.V, Martin Rudolph., der stellv. Vorsitzende Thomas Schindler der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila Bamberg e.V. sowie der Beauftragte für Antisemitismus der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, teil.

Der erste Teil der Veranstaltung richtete den Blick auf die Vergangenheit. Er war der Trauer und dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet. Nach einer kurzen Einführung stellten die Schülerinnen und Schüler Biografien vor, die sie selbst erforscht hatten.
  
Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums präsentierten das wiederentdeckte Tagebuch der Erika Löbl (geb. 1924), einer ehemaligen Schülerin ihrer Schule. In diesem Tagebuch, das ursprünglich nicht zur Veröffentlichung gedacht war, beschrieb Erika Löbl im Alter zwischen 13 und 19 Jahren die Zeit vor 1939 und die ersten Kriegsjahre, die sie und ihr Bruder Werner nach ihrer Rettung am 12. Juni 1939 durch einen Kindertransport in England erlebten. Später konnten ihre Eltern fliehen und ihre Kinder in Quito, Ecuador, wiedersehen.

Zwei Jahre lang forschten Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums im P-Seminar über die jüdischen Einwohner der Orte Trabelsdorf und Lisberg. Ein Ergebnis dieser intensiven Arbeit ist das „Trabelsdorfer Gedenkbuch“, in dem die Lebensläufe von 90 ehemaligen jüdischen Bewohnern vor dem Vergessen bewahrt werden. Im Laufe dieser Forschungen wurden auch Kontakte zu Nachkommen in den USA geknüpft, die über das Projekt hinaus gepflegt werden. Ein weiteres wunderbares Ergebnis besteht darin, dass die Bevölkerung beider Ortschaften sich von den Forschungsarbeiten der jungen Leute hat inspirieren lassen. Bei der Vorstellung des „Trabelsdorfer Gedenkbuches“ sprach Bürgermeister Michael Bergrab von „heilsamen Erinnerungen“, welche die Menschen vor Ort neu zusammenführten. Aus diesem Gedenkbuch stellten die Jugendlichen die Familie Liffgens vor.

Eine Gruppe von Schülerinnen des Eichendorff-Gymnasiums brachte den Anwesenden das kurze Leben der Lieselotte Oppenheimer, einer Tochter des Kaufmanns Hugo Marx und seiner Gattin Anna, nahe. Lieselotte Oppenheimer wurde am 4. Mai 1915 in Bamberg geboren. Sie heiratete Hans Oppenheimer. Das Ehepaar lebte in Berlin. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war das Forsteinsatzlager 37 bei Kersdorf/Brandenburg. Am 19. April 1943 wurde das Ehepaar Oppenheimer von Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Kurze Impressionen ehemaliger Konzentrationslager, in denen Bamberg als ein Ausgangsort von Deportationen genannt wurde, leiteten in das allgemeine, gemeinsame Gedenken über. Zur Vorbereitung hatten sich alle Schülerinnen und Schüler im Unterricht mit den Schicksalen von Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Bamberg und Umgebung befasst und Steine mit deren Namen beschriftet. Diese legten sie in würdevoller Weise als Erinnerungssteine auf einem eigens dafür gestalteten Ort auf der Bühne nieder und sprachen laut den Namen der Menschen aus, an die sie erinnerten.

Im zweiten Teil der Gedenkveranstaltung wandten sich die Schülerinnen und Schüler der Freude über das Ende der NS-Zeit und der Gegenwart zu. Sie stellten vor, was sie konkret dafür tun, dass heute ein menschenwürdiges Zusammenleben Wirklichkeit werden kann.

Die zweite Gruppe von Schülerinnen des Eichendorff-Gymnasiums präsentierte, wie sie die Zeit des Nationalsozialismus und Opferbiografien erforschen.

In einem Rollenspiel reflektierten Jugendliche der Realschule Hirschaid Gründe und Folgen nationalsozialistischer Maßnahmen zur Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Gesellschaft. In einem tiefgründigen Dialog befragt ein jüdisches Kind seine Eltern zu den gesellschaftlichen Veränderungen, z.B. warum es nun nicht mehr in die Schule gehen dürfe, einen gelben Stern tragen müsse, ob es bald wieder wie früher werden würde...

Wie das Wertekonzept ihrer Schule aussieht und wie sich die einzelnen Schülerinnen und Schüler in ihren Klassen mit diesen Werten auseinandersetzen und diese im Alltag leben, erläuterte die Delegation der Steigerwald-Realschule Ebrach. Ihrem Leitspruch folgend, geht es ihnen nicht um „Werte zum Leben“, sondern ums „Werte leben“.

Das Franz-Ludwig-Gymnasium ist eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Eine Schülergruppe stellte ihr inhaltliches Konzept dafür vor. Weil ein Konzept nur dann lebendig wird, wenn es mit Leben gefüllt wird, bekannten mehrere Jugendliche, was ihnen ganz persönlich die Erinnerungsarbeit an ihrer Schule bedeutet.

Einen intensiven Austausch mit einem Gymnasium samt Internat im Nachbarland Polen pflegt das Dientzenhofer-Gymnasium. Die Begegnungen finden sowohl in Polen als auch in Bamberg statt. Das Besondere daran ist, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler in Polen gemeinsam mit den polnischen Jugendlichen im Internat wohnen. Auf diese Weise entstehen trotz sprachlicher Schranken eine herzliche Begegnung und interessante Erkenntnisse, die dem gegenseitigen Verstehen und dem Abbau etwaiger Vorurteile dienen.

Ebenfalls um neue Begegnungen, um das sich Einlassen auf Andere, um das Eingehen auf eine „fremde Welt“, ging es der Wahlfachgruppe der Maria-Ward-Realschule, die ihr besonderes Wahlfach vorstellten. Darin geht es um soziales Lernen in unterschiedlichen Bereichen, wie z.B. um generationenübergreifende Begegnungen mit Menschen im Altenheim.
 
Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Scheßlitz verknüpften in ihrem „Stolperstein-Putz-Projekt“ das Gedenken an die Opfer des Holocaust mit ihrem persönlichen Leben. Sie beschrieben, wie ihre Empathie mit den einzelnen Opfern während des „Stolperstein-Putzens“ wuchs und damit ihr eigener Wunsch, sich für ein menschenwürdiges Zusammenleben in unserer Gesellschaft einzusetzen.

Zum Abschluss verdeutlichten zwei kleine Erzählung aus den Niederlanden und ein Video-Clip aus den USA, wie wichtig das Engagement der jungen Leute in der Erinnerungsarbeit auch für die Nachfahren der Opfer ist, die sehr dankbar dafür sind, dass junge Menschen aus Deutschland sich heute an ihre Vorfahren, deren Leid und oft auch deren Tod erinnern.

Wir wollen uns gemeinsam erinnern und aus dieser Erinnerung heraus gemeinsam die Zukunft, die vor allem Euere Zukunft ist, gestalten. (Christa Horn)

Alle Schulen erhielten aus der Hand des Beauftragten für Antisemitismus der Bayerischen Staats-regierung, Dr. Ludwig Spaenle, eine Teilnahmebescheinigung, nachdem er das große, beeindruckende und ernsthafte Engagement der Schülerinnen und Schüler gelobt hatte. Er bedankte sich bei der Willy-Aron-Gesellschaft und allen Unterstützern für deren wegweisende, zukunftsorientierte Erinnerungsarbeit.

23.04.2020 | Mechthildis Bocksch

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